Montag, 4. April 2011

Aprilscherz?

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern würdigt die Landtagspräsidentin Barbara Stamm für ihre Rolle als „soziales Gewissen in der Politik“ und ihr „ausgeprägtes Engagement für das Gemeinwohl“ mit der Franz-Eser-Medaille.
Am Freitag, 1. April, wurde ihr die Auszeichnung anlässlich der Vollversammlung in Passau überreicht. Stamms Einsatz sei gespeist „von einem christlich-biblischen Blick auf den Menschen, der den Wert und die Würde menschlichen Lebens trotz aller Unvollkommenheit schätzt“, heißt es in der mit der Medaille verliehenen Urkunde. Die Franz-Eser-Medaille wird seit 2006 an Menschen vergeben, die sich um das Laienapostolat in Bayern besonders verdient gemacht haben. (...)
Seit 2006 wurden Alois Glück, Valentin Doering, Hildegard Leonhardt, Johanna Stützle und Bernhard Sutor mit der Franz-Eser-Medaille ausgezeichnet.
Nicht, daß ich mich irgendwie wundern würde über diese Meldung. Frau Stamm ist in der bayerischen Landespolitik sicherlich eine der sympathischeren Erscheinungen, und ihr Amt als Präsidentin des Bayerischen Landtags prädestiniert sie geradezu für den Empfang von Auszeichnungen, mit denen die Auszeichnenden ja oft mehr sich selber etwas Gutes tun wollen als den Geehrten.
Eine Schande ist meiner Meinung nach allerdings die Begründung für diese Auszeichnung, wie sie oben zitiert wird: "den Wert und die Würde menschlichen Leben" schätzt also in vorbildlicher Weise eine Frau, die als Vorsitzende des Förderkreises Bayern seit Jahren zu den prominentesten Unterstützern des Vereins Donum Vitae e.V. zählt? Und ein Gremium, das sich (irrigerweise zwar, aber dennoch) als die Vertretung der katholischen Laien in Bayern versteht, sieht in dieser Auszeichnung selbstverständlich keinerlei Probleme?
Nein, denn die aktive Förderung dieses Schwangerenberatungsvereins scheint geradezu eine Empfehlung für den Erhalt dieser Ehrung darzustellen. Von den nunmehr sechs Trägern der "Franz-Eser-Medaille" gehören vier zu der Sorte Prominenz, die bei der Gründung und/oder Erhaltung von Donum Vitae Bayern aktiv beteiligt waren bzw. sind: Alois Glück, Bernhard Sutor, Johanna Stützle und Barbara Stamm.
Wie wahr! Aber dazu würde doch wohl als erstes gehören, die von den Deutschen Bischöfen 2006 abgegebene Erklärung zu beherzigen - und zwar nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach:
Bei dem privaten Verein Donum Vitae handelt es sich um eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche. (...)
Personen, die im kirchlichen Dienst stehen, ist eine Mitwirkung bei Donum Vitae e.V. untersagt. (...)
Der Ständige Rat ersucht die Gläubigen, die in den kirchlichen Räten und Mitwirkungsgremien sowie den kirchlichen Verbänden und Organisationen Verantwortung übernehmen, zum Zweck der größeren Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit in Donum Vitae e.V. zu verzichten und so die Unterschiede zwischen Donum Vitae e.V. und Positionen der Kirche besser zur Geltung zu bringen und zu respektieren.
Aber was schert den prominenten, gesellschaftlich engagierten deutschen Laienkatholiken schon das Geschwätz der Bischöfe? Mit Treue zur kirchlichen Lehre und ihren Verkündern bis hin zum Papst kann man ja keinen Blumentopf gewinnen. Da schiebt man sich doch lieber untereinander Medaillen zu und bestätigt sich gegenseitig seine Unverzichtbarkeit und Alternativlosigkeit.
(Daß es diese "Franz-Eser-Medaille" überhaupt gibt, war mir übrigens bis dato völlig unbekannt, und so dürfte es gottlob den meisten Katholiken in Bayern gehen.)

1 Kommentar:

  1. Die Kriterien, nach denen dieser Orden verliehen wird folgen dem einfachen Prinzip der ideologisch-politischen Inzucht.

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