Mittwoch, 6. Oktober 2010

Fragwürdige Auszeichnungen ...

... gibt es in dieser Woche gleich mehrfach zu verzeichnen. Der Medizin-Nobelpreis für den "Erfinder" der Retortenbabys gehört auch dazu, soll aber hier nicht das Thema sein.

Das Nürnberger Burgtheater verkündete heute die PREISTRÄGER DES DEUTSCHEN KABARETT-PREISES 2010. Der mit 6.000 Euro dotierte Hauptpreis wurde dem 1969 geborenen Kabarettisten Hagen Rether zuerkannt. In seiner Begründung schreibt das Preiskomitee unter anderem:

Hagen Rether (Foto: Wikipedia)
"Hagen Rether  - geboren in Bukarest, aufgewachsen in Freiburg, heute in Essen lebend - hat das Kabarett am und mit dem Klavier neu erfunden. Leise plaudernd fordert er seinem Publikum in einzigartiger Weise mit blitzschnellen Themenwechseln höchste Aufmerksamkeit und Konzentration ab. Ohne falsche Rücksichtnahme auf politische Korrektheit stellt er unter dem immer gleichen Programmtitel Liebe in einem sich ständig verändernden Programm die komplizierter werdende Welt und bisweilen auch sich selbst in Frage. Er gibt sanft, aber eindringlich den Wolf im Schafspelz und entlarvt mit bitterbösen Beispielen die allseits vorhandene Scheinheiligkeit und Doppelmoral."
So kann man es natürlich auch formulieren. Wer - wie leider auch ich - zu denen gehört, die schon einmal das Geld für eine Eintrittskarte zu einem Liveauftritt des "Künstlers" zum Fenster hinausgeschmissen haben, kann allerdings auch zu einem anderen Resumee gelangen. Das Klavier bzw. der Flügel kommt bei diesem angeblichen "Musikkabarettisten" kaum über eine Statistenrolle hinaus, und im Programm stellt Rether alles Mögliche in Frage, nur nicht sein eigenes überbordendes Ego. Was nach dem von mir besuchten Abend vor allem in Erinnerung blieb, war das Gefühl der Widerwärtigkeit angesichts zahlloser bösartiger Attacken auf den Glauben und die Kirche - wohlgemerkt nur auf eine bestimmte Kirche -, und deren höchsten Vertreter.
Kabarett darf sicherlich vieles, und ich gehöre zu denen, die eine ausgesprochene Liebe zu gutem, auch scharfem Polit- und Gesellschaftskabarett haben. Aber so eine dezidiert antikatholische Dreckschleuder auszuzeichnen, verrät entweder einen Mangel an geeigneten Kandidaten oder die Minderwertigkeit des Preises.

Den Sonderpreis, ausgestattet mit 2.000 Euro Preisgeld, erhält die 1964 in Neumarkt in der Oberpfalz geborene Lizzy Aumeier:

Lizzy Aumeier (Foto: www.lizzy-aumeier.de)
"Eine Frau, ein Kontrabass und ein untrügliches Gespür für die spontane Interaktion mit dem Publikum - das sind Lizzy Aumeiers Markenzeichen.  Konsequent und beharrlich hat sie in den letzten Jahren ihr ganz eigenes Format der musikalischen Körpercomedy entwickelt. Mit perfektem Timing, präziser Beiläufigkeit und kaum zu überbietender Schlagfertigkeit zeigt sie atemberaubend komischen Slapstick, der sie zu einer der witzigsten Frauen auf deutschen Kabarettbühnen macht."
Auch bei ihr kann man mit gemischten Gefühlen auf diese Auszeichnung blicken, selbst dann, wenn man sie ihr schon aus landsmannschaftlicher Verbundenheit gönnt. "Musikalische Körpercomedy" ist eine sehr euphemistische Umschreibung dafür, daß sie sich vorzugsweise Themenbereichen widmet, die allzu leicht die Grenze des guten Geschmacks nach unten durchbrechen. Der Kontrabaß ist - wie bei Hagen Rether der Flügel - mehr Requisit als Notwendigkeit. Bewundern muß man hingegen ihre Bereitschaft, ihre eigene (durchaus kontrabaßverwandte) Figur gnadenlos ins Lächerliche zu ziehen - soviel Selbstverleugnung bringt nicht jede Frau auf, deren Body-Mass-Index jenseits von Gut und Böse liegt. Nur - ist das allein schon preiswürdig?

Die Preisverleihung findet am 8. Januar 2011 in der Tafelhalle Nürnberg statt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen