Dienstag, 14. September 2010

Trauriges Jubiläum


Heute vor drei Jahren, am Fest Kreuzerhöhung 2007, trat das Motu Proprio "SUMMORUM PONTIFICUM" von Papst Benedikt XVI. in Kraft, mit dem die Feier der Heiligen Messe und des Offiziums nach den liturgischen Büchern von 1962 wieder uneingeschränkt für die ganze Kirche erlaubt wurde. In seinem damaligen BEGLEITBRIEF zu diesem Gesetzestext schrieb der Heilige Vater den Bischöfen unter anderem:
"Im übrigen können sich beide Formen des Usus des Ritus Romanus gegenseitig befruchten: (...) In der Feier der Messe nach dem Missale Pauls VI. kann stärker, als bisher weithin der Fall ist, jene Sakralität erscheinen, die viele Menschen zum alten Usus hinzieht. Die sicherste Gewähr dafür, daß das Missale Pauls VI. die Gemeinden eint und von ihnen geliebt wird, besteht im ehrfürchtigen Vollzug seiner Vorgaben, der seinen spirituellen Reichtum und seine theologische Tiefe sichtbar werden läßt."
Heute, drei Jahre später, muß man ernüchtert feststellen, daß diese päpstlichen Wünsche zumindest in den südbayerischen "Papst"-Diözesen, die ich etwas überblicken kann, konsequent ignoriert wurden und werden. Auf keiner der Bistums-Homepages von Passau, Regensburg und München-Freising findet sich heute eine Notiz zu diesem Anlaß: nur ein Symptom, mehr nicht - aber ein vielsagendes Symptom. Hier, wo man so viel darauf hält, die Lebensstationen des heutigen Papstes gebührend herauszustellen, hat man es offenkundig nicht nötig, sich mit besonderem Eifer seinen Anliegen zu widmen: "Wir sind (selber) Papst!"
In den verschiedenen Pfarreien meines Bistums, die ich u. a. durch Kirchenmusikdienste etwas näher kenne, würde ich nicht wetten mögen, daß der jeweilige Pfarrer den Inhalt des Motu Proprio halbwegs zutreffend angeben könnte (was freilich auch auf andere liturgiebezogene Verlautbarungen wie "Redemptionis Sacramentum" zutreffen dürfte). Einige wenige Orte gibt es zwar inzwischen, an denen die Heilige Messe mehr oder weniger regelmäßig in der "außerordentlichen Form des römischen Ritus" gefeiert wird; ohne zuverlässiges Auto und ein erkleckliches Sprit-Budget wird allerdings ihr Besuch eine rare Angelegenheit bleiben.
Was viel wichtiger wäre, nämlich die im obigen Zitat angesprochene Befruchtung der "Neuen Messe" durch den spirituellen Reichtum der "Alten", geschieht in meinem Kenntnisbereich rein gar nicht. Noch immer zelebrieren die meisten Priester nach dem Motto "In meiner Pfarrei bin ich der Papst", alle paar Kilometer findet man einen regionalen Eigenritus; je älter die Zelebranten sind, desto "kreativer" ist oft ihr Umgang mit den Meßformularen (in 15 Jahren im Bistum Passau kann ich mich trotz mindestens wöchentlichen Kirchgangs an kaum eine Messe erinnern, die nicht mindestens eine Grundanforderung von "Redemptionis Sacramentum" unbeachtet gelassen hätte). Lateinische Messen in der "ordentlichen Form", vielleicht gar mit ansprechender Kirchenmusik oder gar Gregorianischem Choral, sind schlichtweg inexistent. Dem Papst selbst sind diese Zustände wohlbekannt, schreibt er doch im erwähnten Begleitbrief wörtlich:
"... zumal das neue Missale vielerorts nicht seiner Ordnung getreu gefeiert, sondern geradezu als eine Ermächtigung oder gar als Verpflichtung zur „Kreativität“ aufgefaßt wurde, die oft zu kaum erträglichen Entstellungen der Liturgie führte. Ich spreche aus Erfahrung, da ich diese Phase in all ihren Erwartungen und Verwirrungen miterlebt habe. Und ich habe gesehen, wie tief Menschen, die ganz im Glauben der Kirche verwurzelt waren, durch die eigenmächtigen Entstellungen der Liturgie verletzt wurden."
Doch das hilft uns nichts, der Papst ist weit weg, auch wenn er von hier stammt. So bleibt den noch verbliebenen Katholiken in unserer Gegend vorerst nichts übrig, als weiterhin mit dem trockenen Schwarzbrot und abgestandenen Wasser der allerorts aufgetischten Schmalspur-Liturgie das kleine Senfkorn Hoffnung auf Besserung am Leben zu erhalten, anstatt sich am Wein der Freude über eine reiche katholische Liturgie zu sättigen, wie ihn Papst Benedikt uns so gerne vorsetzen möchte.

Kommentare:

  1. Nüchtern betrachtet ist es eine Unverschämtheit, was manche Zelebranten ihrem Heiland da auftischen, wenn sie meinen, besonders zeitgemäß oder modern Gottesdienst zu feiern. Hoffen wir, dass diese vom Papst intendierte Befruchtung noch in diesem Jahrhundert stattfindet...!

    Und die meisten deutschen Priester, die von Redemptionis Sacramentum schon einmal gehört haben, werden sich gedacht haben, "noch nicht einmal ignorieren". Traurig...

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  2. Es wird kaum trösten, aber hier "im Norden" ist es ja nicht besser. Der Tisch des Wortes wird hier immer überreich gedeckt!
    Ich komme mir dann immer vor, wie in der alten Geschichte über Konditorenlehrlinge. Diese sollen früher angeblich mit allen Leckereien der Konditorei solange gefüttert worden sein, bis es ihnen schlecht wurde, damit sie zukünftig nicht mehr naschten.
    Ich bin auch mit diesen liturgischen Spezereien in den Jahren so abgefüllt worden, daß ich sie kaum noch ertrage und ich nur noch die "päpstliche empfohlene Reformnahrung" vom Altar des Herrn geniessen kann.
    ...

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