Samstag, 28. August 2010

Der (Kultur-)Wald ruft!


Am kommenden Freitag, den 3. September, startet das "KULTURWALD"-MUSIKFESTIVAL in seine dritte Saison, und allen Lesern, die im näheren oder weiteren Einzugsbereich des Bayerischen Waldes um Deggendorf liegen, möchte ich hiermit den einen oder anderen Besuch bei den ZAHLREICHEN VERANSTALTUNGEN aufs Wärmste empfehlen. Auf einige Höhepunkte aus dem vielseitigen Programm sei hiermit eigens hingewiesen:

Bereits am Donnerstag, den 2. September, findet als "Vorabend" zum Festival in der Stadthalle Deggendorf eine Aufführung der "Carmina Burana" von Carl Orff statt. Spektakulär verspricht die Verknüpfung dieses Werkes mit der Uraufführung von "De Avaritia" von Moritz Eggert zu werden, das als szenischer Prolog zu Orffs Klassiker konzipiert ist und einen Teil der Aufführung in Helikopter verlegt, die von Bayerisch Eisenstein zur Stadthalle Deggendorf fliegen.

Für Sonntag, den 5. September, sei vor allem auf das Konzert um 18.00 Uhr verwiesen, bei dem u. a. der Pianist Jos van Immerseel im Schloß Freudenhain in Passau zu hören ist, bevor er am 10. September in Bremen den mit 25.000 Euro dotierten MUSIKFEST-PREIS BREMEN 2010 verliehen bekommt.

Am Montag, den 6. September, dürfte sich die Fahrt in die Pfarrkirche von Viechtach lohnen, wo um 20.00 Uhr Chormusik von Grieg, Mendelssohn und Strauss zu hören ist, dargeboten von den Frauenstimmen der norwegischen "Lofoten Voices" und dem Männerchor "Max-Reger-Vereinigung", der 2006 den 1. Preis beim Deutschen Chorwettbewerb in Kiel errang.

Am Dienstag, den 7. September, verspricht das Konzert um 22.00 Uhr im herrlichen barocken Festsaal der Benediktinerabtei Metten interessant zu werden, wo "Imitatio Naturae - Klangrede und Lautmalerein ind er Vokalmusik der Renaissance" auf dem Programm steht.

Tags darauf, am Mittwoch, den 8. September, gastiert das Ensemble "Harmonic Brass" im alten Sudhaus in Schwarzach - ein heißer Tip für Freunde gepflegtester Blechbläsermusik.

Ein Nachtkonzert am Samstag, den 11. September, um 22.30 Uhr führt das weltbekannte Ensemble "Quadro Nuevo" mit Tangomusik an den Hauptspielort des Festivals, den Adalbert-Stifter-Stadel auf dem Wildberghof Buchet bei Bernried im Landkreis Deggendorf.

Der letzte Tag schließlich (Sonntag, 12. September), ist gespickt mit hochkarätigen Terminen: Um 11.00 Uhr gastiert das Streichquartett "Engegårdkvartetten" mit der Pianistin Uta Hielscher im Klostersaal von Walderbach; um 14.00 Uhr lädt der Altist Franz Vitzthum in die Umgebung von Buchet zu einem Wanderkonzert mit Lautenliedern des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Auftritt von Georg Ringsgwandl und Band um 17.00 Uhr in Buchet ist bereits ausverkauft; um 20.00 Uhr findet das Abschlußkonzert in Buchet statt - wie immer mit einem bunten Programm, an dem zahlreiche Künstler des Festivals noch einmal beteiligt sind.

Der Hauptspielort des Kulturwald-Musikfestivals:
Der Wildberghof von Familie Gstettenbauer in Buchet.

Nach nur zwei Festspielzeiten hat sich der KULTURWALD in Buchet bereits als eines der auffälligsten Musikfestivals Ostbayerns etabliert - nicht nur durch die herrliche Landschaft, in der er stattfindet, sondern vor allem durch die einmalige Mischung des Programms und die ungezwungene, legere Atmosphäre, die Künstler und Publikum so nah zusammenbringt wie kaum bei einem anderen Musikevent. Nochmals herzliche Einladung!

Sonntag, 22. August 2010

Selbst das Straßenbauamt ...

... eines deutschen Bistumssitzes weiß offensichtlich, wie die Kirche auf den rechten Weg findet:

Foto: (c) C. Weber 2010

Prima! Jetzt müßten nur noch die angesprochenen Behörden diesen vorgezeichneten Weg auch tatsächlich einschlagen. Sollte doch eigentlich bei der angeblichen teutonischen Ordnungsliebe kein Problem sein, oder?

Samstag, 21. August 2010

Neues vom NGL ;-)

"Es lebe der ..." - nein, nicht der Sport, sondern:



Angeregt von Mitbloggerin SPONSA AGNI hat der ebenso kreative wie emsige Blogger-Kollege HERR ALIPIUS aus dem Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg bei Wien auf den Austropop-Klassiker von Rainhard Fendrich eine "Papsthymne" gedichtet, die zwar etwas den österreichischen Schmäh des Originals vermissen läßt, aber ansonsten das Zeug zur Nummer 1 in den erzkatholischen N(eues)G(eistliches)L(ied)-Charts hat.
Hoffentlich tritt Rainhard Fendrich die Rechte an der Melodie zu günstigen Konditionen ab, damit einer baldigen Uraufführung (etwa bei der Diakonenweihe des Textdichters am 8. September) nichts im Wege steht!

Freitag, 13. August 2010

Premio non assegnato ...

... heißt es auch heuer auf der Website der FONDAZIONE GUIDO D'AREZZO, wo seit kurzem die Ergebnisse des diesjährigen 37. Internationalen Kompositionswettbewerbs "Guido d'Arezzo" vermeldet werden. Weder der erste noch der zweite Preis wurden vergeben. Eine (undotierte) lobende Erwähnung erhielt die Komposition "Dos palabras" des 1963 geborenen IVO ANTOGNINI aus Aranno in der Schweiz.

Statue des Mönches Guido in Arezzo
Foto: Wikipedia

Wie aus dem VERZEICHNIS DER PREISTRÄGER seit 1995 zu ersehen ist, wurde damit im achten Jahr in Folge kein erster Preis vergeben - den bislang letzten erhielt im Jahr 2002 meine Motette "Vanitas". Ob die wirklich so gut war, kann ich selber nicht unbefangen beurteilen - aufgeführt wurde sie seit ihrer Uraufführung im toskanischen Arezzo 2003 durch den Konzertchor der Universität Manila jedenfalls nicht mehr, soweit mir bekannt ist. Trotz verschiedener Bemühungen hat sich bislang kein Chor gefunden, der sich an das zugegebenermaßen nicht ganz einfache Stück getraut hätte.
Dennoch finde ich es ausgesprochen schade, daß der hochangesehene Wettbewerb von Arezzo es nicht schafft, fähige Komponisten mit qualitätvollen und originellen Werken anzulocken (was ich kaum glauben mag). Immerhin sind die Preisgelder von 5.000 € bzw. 2.500 € für den ersten und zweiten Preis doch beachtlich. Was ich nicht hoffe, ist, daß die regelmäßige Nichtvergabe von Preisen mit finanziellen Engpässen der Stiftung zu tun hat - oder daß die jährlich wechselnden Juroren einfach utopische Maßstäbe anlegen.

Montag, 9. August 2010

"Tolle Kirchen, aber keine Leute drin"

Ich möchte nicht versäumen, an dieser Stelle auf eine höchst lesenswerte REPORTAGE VON HANNES HINTERMEIER in der heutigen Online-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen" hinzuweisen, die man in ihrer neutral-beobachtenden Sprache bei schonungsloser Offenheit des Inhalts getrost als ein Musterbeispiel für jenen Qualitätsjournalismus bezeichnen darf, den man in der Kirchenberichterstattung der vergangenen Monate so oft schmerzlich vermißte.

Unterfüttert mit Statements des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst und des seit zwei Jahren in Frankfurt studierenden Kameruner Priesters Andrew Ngah beschreibt Hintermeier den in allen relevanten Punkten desolaten Zustand der katholischen Kirche in Deutschland. Einige Zitate aus dem langen Text:
"Das öffentliche Bild der katholischen Kirche in Deutschland wird geprägt von prügelnden Klosterbrüdern, einem alkoholkranken Bischof, pädophilen und homosexuellen Priestern. Die Amtsträger mauern entweder oder rechnen öffentlich miteinander ab. Und über allem thront der vermeintlich distanzierte Papst aus Deutschland, den in diesen Strudel hineinzuziehen nicht ganz gelungen ist. An Versuchen hat es nicht gefehlt. (...) Die Rolle des Papstes in der Kirche wird dabei mit Begeisterung fehlinterpretiert - als wäre er ein Fußballtrainer oder Vorstandsvorsitzender."
"Solidarität mit dem Papst ist besonders bei deutschen Bischöfen keine Paradedisziplin."
"Vierzig Jahre liegt der Aufbruch zurück, die Achtundsechziger gehen demnächst in Pension. Sie haben ihren Kurs auf die Bedürfnisse der Gesellschaft abgestimmt, genützt hat auch das nichts. Nun macht sich angesichts einer verdörrenden Glaubenslandschaft Desillusionierung breit. Believing without belonging: Kirche wird heute gern als religiöse Dienstleistungsgesellschaft genommen, Caritas und Diakonie genießen ein höheres Ansehen als die Amtskirchen. Aktive Gemeindearbeit ist schon weniger beliebt, und so macht das Unwort von der „Verkernung“ die Runde: ein schrumpfender Kern von teilweise extrem engagierten Aktiven bestimmt das Milieu und die Atmosphäre in der Gemeinde."
"Die Kirche erreicht von zehn Sozialmilieus nur noch drei: Konservative, Traditionsverwurzelte und Teile der bürgerlichen Mitte. Keine Chance bei Hedonisten, Konsumidealisten oder sogenannten „modernen Performern“. Die haben am Sonntag andere Ziele."
"„Die katholische Kirche ist universale Weltkirche, die sich in Ortskirchen darstellt. Evangelischerseits gibt es das Verständnis einer Landeskirche mit starkem Ortsbezug.“ Heißt für die Katholiken: Der Ort darf sich nicht selbst genügen. Das tut er aber oft genug, häufig den Priester eingeschlossen. Da wird die sonntägliche Predigt genutzt, um die eigenen Glaubenszweifel zu thematisieren - anstatt das Evangelium zu deuten. Und wie aufgeweicht und nachlässig mit der Liturgie umgegangen wird: Da wird keine Brücke gebaut für die nachwachsenden Generationen, die gar nicht wissen, was da geschieht, weil es ihnen niemand erklärt."
"Für den Schriftsteller Martin Mosebach steht fest: Hier ist ein Großexperiment gescheitert. Die „Aggiornamento-Kirche“, die sich anpassende Kirche, habe Generationen den Glauben gekostet. Tebartz-van Elst stützt die These, insofern er einräumt: „Liturgie ist nicht Event. Gott handelt an uns. Aller Aktionismus in der Liturgie hat augenscheinlich nicht zu einer Vertiefung des Glaubens beigetragen.“"
"Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken etwa, ein Zusammenschluss von mehreren kirchlichen Vereinen, spricht gewöhnlich im Gestus höchster Autorität, obwohl es nicht legitimiert ist, „die“ Katholiken zu repräsentieren."
Lesen Sie auch den Rest, es lohnt sich!
Und die private Anmerkung sei noch gestattet: Bei der nächsten Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz sollte diese Reportage als einziger Tagesordnungspunkt gelesen und meditiert werden - um dann die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Die könnten eigentlich nur darin bestehen, endlich Schluß zu machen mit der gescheiterten "Pastoral", die das Katholische immer mehr an die Welt anpaßt anstatt die Welt zu evangelisieren. Gerade die Kirche in unserem Land müßte nicht erst lange nach einem Vorbild für die nötige Kehrtwende suchen - wir haben sie seit 2005, wie Bischof Tebartz-van Elst weiß:
"„Papst Benedikt steht für einen Glauben, der inhaltlich in der Lage ist, den Diskurs mit dieser Welt zu führen - für das gewinnnende Profil einer Kirche mit Tiefe und Weite.“"
"Ja, dann tut doch endlich das, was er sagt" möchte man dem Limburger Oberhirten und all seinen Amtsbrüdern zurufen - "und zwar schleunigst, mit dem tatkräftigen Engagement echter Hirten!"