Donnerstag, 6. Mai 2010

... er ist doch auch ein Galiläer!

Foto: (c) http://www.bistum-passau.de
Die Galiläer galten zur Zeit Jesu in Palästina offenbar als das, was den Oberpfälzern in Bayern nachgesagt wird: ein verschlossenes, ungehobeltes Volk ohne richtigen Glauben, dafür mit einem kaum verständlichen Dialekt. Petrus nützt alles Leugnen nichts, als im Hof des Hohenpriesters jemand bemerkt "er ist doch auch ein Galiläer" (Lk 22,59) und ihm gar ins Gesicht sagt "wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich" (Mt 26,73): damit war er unten durch, denn "kann von dort etwas Gutes kommen?" (Joh 1,46)

In genau dieselbe Kerbe schlagen dieser Tage Äußerungen über den Passauer Bischof Wilhelm Schraml. Vordergründig geht es dabei um den hirnrissigen Vorwurf, er lasse seinen ins Auge gefaßten Altersruhesitz in Altötting luxussanieren. In der HEUTIGEN AUSGABE DER PASSAUER NEUEN PRESSE findet sich ein ausführlicher Bericht zu diesem Thema, der dankenswerterweise die Fülle an Halbwahrheiten und gezielten Irreführungen zu diesem Thema etwas zurechtrückt.

Die Diskussion über den Sinn der Renovierungsausgaben erweist sich bei näherer Betrachtung jedoch nur als Ablenkungsmanöver. Hinweise auf die tatsächliche Nutzfläche der anvisierten Bischofswohnung werden ebenso konsequent ignoriert wie die Tatsache, daß der Bischof für die Nutzung der Wohnung aus seinem Gehalt Miete zahlen müßte oder daß von den Renovierungsmaßnahmen örtliche Baufirmen und Restauratoren profitieren, die so ihre Beschäftigten in Lohn und Brot halten können.
Nein, Zweck des ganzen ist offenkundig, Bischof Schraml nach dem bei seinem Augsburger Kollegen Mixa erfolgreich getesteten Schema loszuwerden - und wenn es schon nicht mit der moralischen Keule klappt, dann wenigstens mit dem Vorwurf der "Verschwendung". Überdeutlich wird dies in einem ebenfalls heute in der PNP veröffentlichten LESERBRIEF, in dem es u. a. heißt:
"Unser Bischof scheint abzuheben, er fühlt sich wie im Mittelalter und lässt sich aus Spendenmitteln oder womöglich sogar aus Kirchensteuermitteln seinen Altersruhesitz herrichten. In Regensburg gibt es sicher leerstehende Wohnungen, dorthin könnte er sich baldmöglichst zurückziehen, dann wäre er wieder dort, wo er hergekommen ist. Bischof Müller hätte wieder einen Mitstreiter und wir hätten wieder unseren Frieden im Bistum."
Das ist also des Pudels Kern: den Oberpfälzer Störenfried im Bischofsamt loszuwerden! "Ausländer raus" auf Niederbayerisch? Schon nach seiner Ernennung sah sich Bischof Schraml mit Äußerungen in den Lokalmedien konfrontiert, warum es denn ausgerechnet ein Oberpfälzer habe sein müssen - als Landsmann fühlte ich mich schon damals an die oben zitierten Aussagen der Bibel erinnert. Von dort kann nichts Gutes kommen.
Bischof Wilhelm Schraml hat es sich nicht selber ausgesucht, als er zum Passauer Bischof ernannt wurde. Daß er auf Wunsch von Papst Benedikt XVI. auf unbestimmte Zeit über die Altersgrenze von 75 Jahren hinaus im Amt bleiben soll, vermutlich auch nicht. Der Versuch, ihn nun mit unverhohlenem Rassismus und durch haltlose Anschuldigungen wegzumobben, ist an Niedertracht und Widerwärtigkeit kaum zu überbieten.

1 Kommentar:

  1. "Wenn wir für Gott arbeiten und uns die Menschen im Stich lassen, so wollen wir an Jesus denken, von dem es in der Heiligen Schrift heißt, daß ihn während der Passion alle verließen." - Vinzenz Pallotti

    AntwortenLöschen