Montag, 19. April 2010

Benedictus, qui venit ...

 
Foto: (c) www.vatican.va

Es gibt nur wenige Momente in meinem Leben, an die ich so lebendige Erinnerungen habe wie an den Abend des 19. April 2005. Ich war auf dem Nachhauseweg von einem Termin und hörte im Autoradio die Meldungen, daß wohl ein neuer Papst gewählt sei und die Bekanntgabe unmittelbar bevorstehe.

Daheim angekommen, stürmte ich ins Haus und zu meiner Frau vor den Fernseher, als gerade der Vorhang der Benediktionsloggia des Petersdomes aufging und Kardinalprotodiakon Jorge Arturo Medina Estévez vor das Mikrophon trat: „Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam! – Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Josephum [die folgende Kunstpause wurde zur Legende – „Josef gibt’s ein paar unter den Kardinälen!“, sagte ich noch zu meiner Frau] Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger, qui sibi nomen imposuit Benedicti decimi sexti.“ Voll ungläubiger Freude fielen wir uns um den Hals – und weinten beide, wie ich ehrlich gestehe, als unser Landsmann Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. auf die Loggia trat. Noch im Nachhinein möchte ich diesen Moment als den glücklichsten Augenblick meines bisherigen Katholikenlebens bezeichnen.


Und es war nicht der Triumph des „Tu es Petrus“, der mir damals spontan in den Sinn kam, sondern ein Satz aus der „Missa Papae Marcelli“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina: „Benedictus qui venit in nomine Domini“ – „Benedictus/gebenedeit, der da kommt im Namen des Herrn“. Verhalten und voll überirdischer Schönheit hebt dieser Gesang an, fast schüchtern – genau so, wie der kleine, alte und so ehrwürdige Mann da oben auf der Loggia stand, mit dem uns Katholiken damals ein Hirte und Vater geschenkt wurde, wie wir ihn so dringend brauchen. Ja, Papst Benedikt war und ist wahrhaftig einer, der da kommt im Namen des Herrn, und ich danke Gott für jeden Tag, den er ihm noch in diesem Amt vergönnt (oder auch zumutet, möchte man heute fast sagen).

Lieber Heiliger Vater, aus Ihrer bayerischen Heimat die allerbesten Glückwünsche zum fünften Jahrestag Ihrer Wahl, und einen aus tiefstem Herzen kommenden Dank dafür, daß durch Sie als Vater unsere katholische Kirche für viele treue, gläubige Seelen wieder an Mütterlichkeit gewonnen hat!

1 Kommentar:

  1. Sehr geehrter Herr Weber,
    da haben Sie mit Palestrina eine besonders erlesene
    Musik auserwählt, die ausschließlich zur Ehre desjenigen komponiert wurde, der die Musik erfunden hat, gegenüber der heute oft in den Gottesdiensten verwendeten Schrottmusik (miserable, teilweise völlig unreligiöse Texte, die pseudopopartig und grauenhaft falsch rythmisiert sind)
    eine andere und höchst spirituelle Dimension.
    Herzlichen Gruß,
    Fritz Rauschmayer

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