Donnerstag, 4. März 2010

Wüste(n-) Jahre

Allen Lesern möchte ich aufs wärmste einen Beitrag von Mag. Michael Gurtner zur Lektüre empfehlen, der gestern auf der Website von KATHNEWS publiziert wurde: ZUR NOTWENDIGKEIT DER ÄSTHETIK FÜR DEN GLAUBEN. Er befaßt sich darin sehr kompetent mit dem unabdingbaren Postulat von "Schönheit" für jedwede kirchliche - und auch kirchenmusikalische! - Kunst. Mit Blick auf den unbestreitbaren katholischen Ikonoklasmus nach dem II. Vatikanischen Konzil spricht er von "Wüstenjahren" und bemerkt treffend:
"Man zog viele Formen des frommen Volksbrauchtums ins Lächerliche, vieles von dem, was dem Glauben eine warme innerliche Heimat gab wurde von Glaubenstheoretikern niedergemacht, kirchliche Kleiderordnungen und Paramententraditionen wurden als unnütz hingestellt und sogar verspottet und in den Kirchen setzte man die Spitzhacke an und warf Altäre und Gemälde hinaus, während man Mozart und Palestrina in den Mistkübeln stapelte und sich zu seichten Neukompositionen zu fragwürdigen Texten setzte, welche nach kaum zwanzig Jahren schon so alt sind wie sie kein Mönchschoral je gewesen ist, und auch die kirchliche Sprache wurde entgegen jeder Behauptung nicht entstaubt, sondern verkrüppelt."
Auch wenn es in einzelnen kleinen Oasen den Anschein hat, als sei diese Geisteshaltung allmählich dank einer biologischen Lösung im Schwinden begriffen, so lehrt doch der Blick in unsere Pfarreien und Diözesen, daß sich im wesentlichen noch nichts geändert hat. "Schönheit" im Sinne des Artikels von Herrn Gurtner hat dort allenfalls eine museale Berechtigung. Von einer "katholischen Ästhetik" zu reden, fällt angesichts der alltäglichen Geschmacklosigkeiten in Liturgie, Kirchenmusik oder Kirchenarchitektur schwer - es sei denn, man kann sich mit der Definition anfreunden, "katholische" Ästhetik dürfe alles sein, nur nicht "schön".

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