Dienstag, 23. März 2010

Kein Verlust

Wie der katholische Nachrichtendienst KATHNEWS berichtet, wurden kürzlich in niederländischen Bistümern Lieder des Dichters und Ex-Jesuiten HUUB OOSTERHUIS für den Gebrauch in der Liturgie verboten:
"Oosterhuis spielte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Entfaltung der „freien Liturgie“-Praxis, die mitunter Bibellesungen durch, in liturgischen Arbeitsgruppen erarbeitete, Deutungsgeschichten ersetzte. In der Formulierung von Gebetstexten wurden ganz neue Zugänge gewagt, so z. B. in Oosterhuis′ eucharistischem Gebet für Agnostiker: „Herr, wenn Du existierst, so komme dann in unsere Mitte“.
Nun sind in zwei niederländischen Bistümern einige Lieder Oosterhuis´, die in der Liturgie bis vor Kurzem Verwendung fanden, von den jeweiligen Zensoren der Bistümer als für die Liturgie untauglich befunden worden. Es handelt sich um Texte, in denen Gott nicht vorkommt, sagte Domkapitular Cor Mennen, Kirchenrechtler und Zensor des Bistums ´s-Hertogenbosch. Manche Texte seien banal und anthropozentrisch orientiert. Wenn “lex orandi” und “lex credendi” zusammengehörten, dann müssten Lieder biblisch sein. Freie Texte müssten daher theologisch korrekt und liturgisch brauchbar sein. Wo sie diesem Kriterium nicht entsprechen, könnten sie keinen Platz in der Liturgie haben."
Auch im Stammteil des deutschsprachigen Gebet- und Gesangbuchs "Gotteslob" von 1975 sind sieben Liedtexte von Huub Oosterhuis vertreten:
  • GL 74 (Gott, der nach seinem Bilde),
  • GL 183 (Wer leben will wie Gott),
  • GL 298 (Herr, unser Herr),
  • GL 300 (Solang es Menschen gibt auf Erden),
  • GL 617 (Nahe wollt der Herr uns sein),
  • GL 621 (Ich steh vor dir mit leeren Händen),
  • GL 764 (Sei hier zugegen).
Bei diesen Beispielen handelt es sich zwar nicht unbedingt um Ketzereien, den Vorwurf der Banalität müssen sich die Texte allerdings teilweise gefallen lassen, was möglicherweise durch die deutschen Übersetzungen noch verstärkt wird. Gerade das Lied GL 621 kann wie eine zutreffende künstlerische und geistliche Selbsteinschätzung des Autors erscheinen: "Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege" oder "mein Unvermögen hält mich ganz gefangen" zeugen nicht gerade von einem Glaubensverständnis, das man katholisch nennen möchte.
In meiner eigenen Kirchenmusikerpraxis kann ich beobachten, daß gerade diese Lieder von den Gemeinden kaum rezipiert wurden und sich deshalb der Schaden, den sie womöglich anrichten könnten, in Grenzen hält. Wenn sie auch hierzulande in der Neuausgabe des Gotteslob nicht mehr auftauchen würden, wäre es mit Sicherheit kein Verlust - man könnte die freiwerdenden Seiten ja sinnvollerweise für zusätzliche Gesänge aus dem Gregorianischen Choral verwenden.

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