Freitag, 26. März 2010

Die nächsten, bitte

Nach den Regensburger Domspatzen und den Wiener Sängerknaben steht nun mit den Windsbachern der nächste renommierte Knabenchor wegen früherer pädagogischer und sexueller Übergriffe IM MEDIALEN RAMPENLICHT:
"Auch beim renommierten Windsbacher Knabenchor sind in früheren Jahrzehnten Schüler geschlagen und misshandelt worden. „Wir bedauern dies zutiefst, entschuldigen uns und bitten um Vergebung“, sagte der Internatsleiter, Pfarrer Thomas Miederer, am Freitag in Windsbach (Bayern). Die mittlerweile bekannten Vorfälle bei dem evangelischen Chor spielten sich von den 1950er bis Ende der 1970er Jahre ab.
So seien Schüler von einem früheren Direktor hinter verschlossener Türe sogar mit Peitsche und Rohrstock geprügelt worden. Auch der vor drei Jahren gestorbene Gründer und langjährige Leiter des Chores, Hans Thamm, habe häufig Ohrfeigen verteilt, Schüler gedemütigt und bloßgestellt. „Es gab massive Grenzüberschreitungen“, sagte Miederer. (...)
Der Internatsleiter räumte auch zwei Fälle von sexuellem Missbrauch bei den Windsbachern ein: In den 50er Jahren verging sich ein Hospitant an Schülern. Er wurde des Hauses verwiesen und später verurteilt. Um 2000/01 gab es Übergriffe eines Praktikanten. Auch er sei sofort suspendiert und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. „Neuere Fälle sind mir nicht gemeldet worden“, sagte die Psychologin Ulrike Winkler von Mohrenfels, die von der Internatsleitung als externe Ansprechpartnerin beauftragt wurde."
Man muß wohl kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, daß auch dies noch nicht das Ende der unendlichen Enthüllungsstorys sein dürfte. Schließlich gibt es da ja noch weitere Knabenchöre: die Tölzer, die Thomaner und wie sie alle heißen ... zumindest die Pädagogik in diesen Instituten dürfte sich in früheren Jahrzehnten nicht wesentlich von der bei anderen Knabenchören unterschieden haben, so daß es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis auch sie ihre Schlagzeilen bekommen. Allerdings scheint mittlerweile ein gewisser "Gewöhnungseffekt" eingetreten zu sein, denn das Rampenlicht strahlt offenbar schon weit weniger intensiv, die Verbreitungsdichte derartiger Meldungen nimmt spürbar ab.

Oder steckt gar etwas anderes dahinter, daß in den Medien die "Horrormeldungen" über katholische Institutionen grundsätzlich in besonders herausgehobener Form plaziert und genüßlich ausgeschlachtet werden, während man über evangelische Personen und Einrichtungen weit weniger aggressiv berichtet? In den letzten Wochen war dies ziemlich eindeutig zu beobachten, angefangen mit der Trunkenheitsfahrt, die Margot Käßmann Amt und Würden - aber keineswegs die gesellschaftliche Wertschätzung - kostete, über Mißbrauchsfälle in evangelischen Landeskirchen (zuletzt in VILSHOFEN im Landkreis Passau, wo genau dieselben Unterlassungssünden seitens der Kirchenleitung begangen wurden, wie man sie der katholischen Kirche vorwirft), bis hin zur heutigen Meldung über den Windsbacher Knabenchor. Die letzteren Ereignisse sind gerade noch für Schlagzeilen in der Provinzpresse gut, überregional erscheinen sie gar nicht mehr oder höchstens unter "ferner liefen".

Die (ver)öffentlich(t)en Sympathien scheinen doch ziemlich klar verteilt zu sein. Ob sie auch den Tatsachen gerecht werden, steht auf einem anderen Blatt.

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