Freitag, 26. März 2010

Die nächsten, bitte

Nach den Regensburger Domspatzen und den Wiener Sängerknaben steht nun mit den Windsbachern der nächste renommierte Knabenchor wegen früherer pädagogischer und sexueller Übergriffe IM MEDIALEN RAMPENLICHT:
"Auch beim renommierten Windsbacher Knabenchor sind in früheren Jahrzehnten Schüler geschlagen und misshandelt worden. „Wir bedauern dies zutiefst, entschuldigen uns und bitten um Vergebung“, sagte der Internatsleiter, Pfarrer Thomas Miederer, am Freitag in Windsbach (Bayern). Die mittlerweile bekannten Vorfälle bei dem evangelischen Chor spielten sich von den 1950er bis Ende der 1970er Jahre ab.
So seien Schüler von einem früheren Direktor hinter verschlossener Türe sogar mit Peitsche und Rohrstock geprügelt worden. Auch der vor drei Jahren gestorbene Gründer und langjährige Leiter des Chores, Hans Thamm, habe häufig Ohrfeigen verteilt, Schüler gedemütigt und bloßgestellt. „Es gab massive Grenzüberschreitungen“, sagte Miederer. (...)
Der Internatsleiter räumte auch zwei Fälle von sexuellem Missbrauch bei den Windsbachern ein: In den 50er Jahren verging sich ein Hospitant an Schülern. Er wurde des Hauses verwiesen und später verurteilt. Um 2000/01 gab es Übergriffe eines Praktikanten. Auch er sei sofort suspendiert und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. „Neuere Fälle sind mir nicht gemeldet worden“, sagte die Psychologin Ulrike Winkler von Mohrenfels, die von der Internatsleitung als externe Ansprechpartnerin beauftragt wurde."
Man muß wohl kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, daß auch dies noch nicht das Ende der unendlichen Enthüllungsstorys sein dürfte. Schließlich gibt es da ja noch weitere Knabenchöre: die Tölzer, die Thomaner und wie sie alle heißen ... zumindest die Pädagogik in diesen Instituten dürfte sich in früheren Jahrzehnten nicht wesentlich von der bei anderen Knabenchören unterschieden haben, so daß es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis auch sie ihre Schlagzeilen bekommen. Allerdings scheint mittlerweile ein gewisser "Gewöhnungseffekt" eingetreten zu sein, denn das Rampenlicht strahlt offenbar schon weit weniger intensiv, die Verbreitungsdichte derartiger Meldungen nimmt spürbar ab.

Oder steckt gar etwas anderes dahinter, daß in den Medien die "Horrormeldungen" über katholische Institutionen grundsätzlich in besonders herausgehobener Form plaziert und genüßlich ausgeschlachtet werden, während man über evangelische Personen und Einrichtungen weit weniger aggressiv berichtet? In den letzten Wochen war dies ziemlich eindeutig zu beobachten, angefangen mit der Trunkenheitsfahrt, die Margot Käßmann Amt und Würden - aber keineswegs die gesellschaftliche Wertschätzung - kostete, über Mißbrauchsfälle in evangelischen Landeskirchen (zuletzt in VILSHOFEN im Landkreis Passau, wo genau dieselben Unterlassungssünden seitens der Kirchenleitung begangen wurden, wie man sie der katholischen Kirche vorwirft), bis hin zur heutigen Meldung über den Windsbacher Knabenchor. Die letzteren Ereignisse sind gerade noch für Schlagzeilen in der Provinzpresse gut, überregional erscheinen sie gar nicht mehr oder höchstens unter "ferner liefen".

Die (ver)öffentlich(t)en Sympathien scheinen doch ziemlich klar verteilt zu sein. Ob sie auch den Tatsachen gerecht werden, steht auf einem anderen Blatt.

Dienstag, 23. März 2010

Diese Liebeserklärung ...


... des HERRN ALIPIUS kann ich Wort für Wort unterschreiben und schließe mich ihr hiermit von ganzem Herzen an!

Kein Verlust

Wie der katholische Nachrichtendienst KATHNEWS berichtet, wurden kürzlich in niederländischen Bistümern Lieder des Dichters und Ex-Jesuiten HUUB OOSTERHUIS für den Gebrauch in der Liturgie verboten:
"Oosterhuis spielte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Entfaltung der „freien Liturgie“-Praxis, die mitunter Bibellesungen durch, in liturgischen Arbeitsgruppen erarbeitete, Deutungsgeschichten ersetzte. In der Formulierung von Gebetstexten wurden ganz neue Zugänge gewagt, so z. B. in Oosterhuis′ eucharistischem Gebet für Agnostiker: „Herr, wenn Du existierst, so komme dann in unsere Mitte“.
Nun sind in zwei niederländischen Bistümern einige Lieder Oosterhuis´, die in der Liturgie bis vor Kurzem Verwendung fanden, von den jeweiligen Zensoren der Bistümer als für die Liturgie untauglich befunden worden. Es handelt sich um Texte, in denen Gott nicht vorkommt, sagte Domkapitular Cor Mennen, Kirchenrechtler und Zensor des Bistums ´s-Hertogenbosch. Manche Texte seien banal und anthropozentrisch orientiert. Wenn “lex orandi” und “lex credendi” zusammengehörten, dann müssten Lieder biblisch sein. Freie Texte müssten daher theologisch korrekt und liturgisch brauchbar sein. Wo sie diesem Kriterium nicht entsprechen, könnten sie keinen Platz in der Liturgie haben."
Auch im Stammteil des deutschsprachigen Gebet- und Gesangbuchs "Gotteslob" von 1975 sind sieben Liedtexte von Huub Oosterhuis vertreten:
  • GL 74 (Gott, der nach seinem Bilde),
  • GL 183 (Wer leben will wie Gott),
  • GL 298 (Herr, unser Herr),
  • GL 300 (Solang es Menschen gibt auf Erden),
  • GL 617 (Nahe wollt der Herr uns sein),
  • GL 621 (Ich steh vor dir mit leeren Händen),
  • GL 764 (Sei hier zugegen).
Bei diesen Beispielen handelt es sich zwar nicht unbedingt um Ketzereien, den Vorwurf der Banalität müssen sich die Texte allerdings teilweise gefallen lassen, was möglicherweise durch die deutschen Übersetzungen noch verstärkt wird. Gerade das Lied GL 621 kann wie eine zutreffende künstlerische und geistliche Selbsteinschätzung des Autors erscheinen: "Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege" oder "mein Unvermögen hält mich ganz gefangen" zeugen nicht gerade von einem Glaubensverständnis, das man katholisch nennen möchte.
In meiner eigenen Kirchenmusikerpraxis kann ich beobachten, daß gerade diese Lieder von den Gemeinden kaum rezipiert wurden und sich deshalb der Schaden, den sie womöglich anrichten könnten, in Grenzen hält. Wenn sie auch hierzulande in der Neuausgabe des Gotteslob nicht mehr auftauchen würden, wäre es mit Sicherheit kein Verlust - man könnte die freiwerdenden Seiten ja sinnvollerweise für zusätzliche Gesänge aus dem Gregorianischen Choral verwenden.

Freitag, 19. März 2010

Konzerthinweise


Mit dem kommenden Passionssonntag beginnt die "Schlußphase" der Fastenzeit. Wer sich auf die Feier des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus vielleicht auch durch geistliche Musik vorbereiten möchte, der sei auf drei Passionskonzerte hingewiesen, die demnächst im Großraum Deggendorf stattfinden:

Passionssonntag, 21. März 2010, 18.00 Uhr
Fürstenstein (Lkr. Passau), Kath. Pfarrkirche Maria Himmelfahrt

Palmsonntag, 28. März 2010, 17.00 Uhr
Deggendorf, Kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

PASSIONSKONZERTE des ENSEMBLE SOLA VOCE NIEDERALTAICH
Auf dem Programm steht geistliche Vokalmusik a cappella zur Fastenzeit u. a. von Tallis, Gallus, Croce, Victoria, Amon, Palestrina, de Kerle, Schütz, Wesley, Billings und Trenner. Informationen zum Kartenverkauf auf der Homepage des Ensembles.


Karfreitag, 2. April 2010, 20.00 Uhr
Niederalteich (Lkr. Deggendorf), Basilika St. Mauritius

GRABMUSIK des Kammerchors Hengersberg, Ltg. Bernhard Falk
Auf dem Programm stehen die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz, der Eintritt ist frei.

Herzliche Einladung an alle Interessenten!

Heureka!

Foto: (c) www.theaterinkempten.de

Wie die PASSAUER NEUE PRESSE heute berichtet, ist die Entscheidung für den neuen Intendanten der Festspiele "Europäische Wochen Passau" gefallen. Aus 41 Bewerbern wurde als Nachfolger von Pankraz Freiherr von Freyberg ab 2012 der derzeitige Intendant des Stadttheaters Kempten designiert: Peter Baumgardt, 51 Jahre alt, gebürtig in Lübeck und ausweislich der "Papierform" ein bestens qualifizierter Kulturprofi.
Diesem offenbar erfreulichen Ergebnis ging eine wenig erfreuliche, langwierige Suche  voraus, die vor allem durch Intrigantentum und Unfähigkeit seitens der Vereinsvorstandschaft der Europäischen Wochen geprägt war und zeitweise in eine regelrechte medial ausgetragene Schlammschlacht ausartete. Daß nun mit Peter Baumgardt ein Mann erkoren wurde, der nicht nur beste Reverenzen aufweisen kann, sondern auch völlig unbelastet von den provinziellen Passauer Kulturquerelen erscheint, läßt wohl all jene hoffen, die den Europäischen Wochen wohlgesonnen sind und sich alljährlich auf dieses Highlight des ostbayerischen Musik- und Kulturlebens freuen.

Dienstag, 16. März 2010

In memoriam ... Dr. Konrad Ruhland

Dr. Konrad Ruhland
Geboren am 19. Februar 1932 in Landau a. d. Isar
Verstorben am 14. März 2010 in Deggendorf

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag verstarb der Niederalteicher Musikwissenschaftler und Musiker Dr. Konrad Ruhland, seit Jahrzehnten eine der renommiertesten Musikerpersönlichkeiten in Niederbayern und weit darüber hinaus. Noch vor wenigen Wochen stellte er sein jüngstes Buch "MUSIKALISCHE RÄTSEL" der Öffentlichkeit vor und wirkte dabei trotz schwerer Krankheit vital und geradezu "verjüngt" - wie immer, wenn er sich intensiv mit alter Musik befassen konnte.
Das Choralrequiem und die Beisetzung finden am kommenden Samstag, dem 20. März, um 14 Uhr in der Basilika Niederalteich (Lkr. Deggendorf) statt. R. I. P.

Ich erlaube mir, hier im Andenken an diesen verdienstvollen Musikforscher und -praktiker einen Beitrag wiederzugeben, den ich im Jahr 2004 anläßlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Ruhland für die Deggendorfer Zeitung verfaßt habe.
Der Besucher steht vor einem unscheinbaren Reihenhaus in Niederalteich, doch schon dessen Türklingel könnte bei Musikfreunden Reliquienstatus erlangen. Nikolaus Harnoncourt oder Emma Kirkby haben sie gedrückt und unzählige andere Musikgrößen aus aller Welt, denn dahinter verbirgt sich eine der führenden Adressen für alles, was mit Musik vom Mittelalter bis zur Barockzeit zu tun hat: der Musikwissenschaftler Dr. Konrad Ruhland, der am 26. Mai in Passau das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhält.
Es sei die Familie seiner Mutter gewesen, erinnert sich Ruhland, in der die Musik zuhause war. Auf deren Bauernhof wurde gerne musiziert und auch vierstimmig gesungen, was angesichts von acht Geschwistern, mit denen der 1932 in Landau an der Isar geborene Konrad aufwuchs, nicht schwierig war. Eine erste systematische Musikausbildung erfuhr er im Knabenseminar in Passau, wo er als Domsingknabe die alten Meistern der Vokalmusik kennenlernte. Schon als junger Alumnus, so erzählt er, habe er sich tagelang in frostigen Archivkämmerchen einschließen lassen, um die 33 Bände der Palestrina-Gesamtausgabe zu studieren. Die Liebe zu dieser „Alten Musik“ begleitet seither sein ganzes Leben.
In München studierte er zunächst Theologie und Mittellatein und wandte sich schließlich der Musikwissenschaft bei den Professoren Thrasybulos Georgiades und Theodor Göllner zu. Ein Konzert der Gruppe „Pro Musica Antiqua Brüssel“ führte dazu, daß Ruhland mit gleichgesinnten Studenten 1956 die „capella antiqua München“ ins Leben rief, die er 25 Jahre lang leiten sollte. Akribische wissenschaftliche Fundierung des Musizierens und die Verwendung originaler Notationen und Instrumente wurden zum Markenzeichen der zunächst neun, später neunzehn Musiker, die sich in kürzester Zeit im professionellen Musikbetrieb nicht nur behaupteten, sondern eine führende Stellung erlangten. In einer Zeit, da das Interesse an „historischer Aufführungspraxis“ eben erst erwachte und man kaum auf Vorbilder zurückgreifen konnte, setzte die „capella antiqua“ Qualitätsmaßstäbe, die bis heute Gültigkeit besitzen. Durch die Zusammenarbeit mit Koryphäen wie Harnoncourt, durch zahllose Konzerte in aller Welt und über hundert Schallplatten erwarb sich das Ensemble einen geradezu legendären Ruf im Bereich der vorklassischen Mehrstimmigkeit und der Gregorianik.
Niederalteich, seit 1962 ein regelmäßiger Probenort für die „capella antiqua“, wurde für Ruhland, seine Frau Elisabeth und die drei Kinder schließlich auch eine Heimat. 1968 begann er am dortigen Gymnasium eine Tätigkeit als Musiklehrer, die bis 1991 währte und deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. „Es gab Staunende, Abgeschreckte, Bewunderer, sich Öffnende, Überraschte, aber nie Gelangweilte oder auch nur Pflichterfüller“ – so umschreibt ein damaliger Kollege Ruhlands schulisches Wirken: „Wo er war, pulsierte musikalisches Leben.“ Dieses schlug sich nieder in einer unübersehbaren Zahl an Schulkonzerten, die er mit Gemischtem Chor, Mädchen-Choralschola und Dreigesang auf überragendem Niveau durchführte. Eine dreijährige Beurlaubung ermöglichte ihm die Fertigstellung seiner Dissertation „Der mehrstimmige Psalmvortrag im 15. und 16. Jahrhundert“, mit der er 1975 in München zum Dr. phil. promoviert wurde.
Die hierzulande bekannteste Frucht von Ruhlands pädagogischem Wirken waren die „Niederaltaicher Scholaren“. Unter diesem Namen führte er ab 1976 ehemalige Schüler zu einem hochklassigen Konzertchor zusammen. Keine ausgetretenen Pfade in der Repertoireauswahl, Wiederaufführung regionaler Komponisten, möglichst originalgetreues und gleichzeitig potentes Musizieren – dies war das Credo des Ensembles, das bis in die neunziger Jahre bestand und dessen Qualität in mehr als 15 Einspielungen dokumentiert ist.
Neben der Tätigkeit als Dirigent und Pädagoge erwarb sich Konrad Ruhland in über fünf Jahrzehnten einen internationalen Rang als Fachmann für historische Aufführungspraxis und musikalische Quellenkunde, dem heute nur wenige gleichkommen. Die Repertorien der berühmtesten Musikbibliotheken kennt er wie seine Westentasche. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht Wissenschaftler und Musiker sich bei ihm die Türklinke in die Hand geben, um Auskünfte einzuholen. Ein tonnenschwerer Fundus an Handschriften- und Notenbeständen dient dabei als unerschöpfliche Quelle – geschätzte 200 Jahre würde es dauern, sein Archiv für den Druck zu bearbeiten. Rare historische Instrumente aus seiner Sammlung werden regelmäßig von namhaften Interpreten für Aufführungen und Plattenaufnahmen ausgeliehen. Die Zahl seiner Noteneditionen süddeutscher Komponisten geht in die hunderte. Wo er darüber hinaus noch Zeit findet, greift er zur Gambe oder anderen Instrumenten und musiziert in verschiedenen Ensembles.
Stets ist es das Ungewöhnliche und das erst im Entstehen Begriffene, was Ruhland reizt. So waren es nicht die „großen“ Komponisten wie Bach oder Mozart, denen er sein Lebenswerk widmete; sie betrachtet er als „Schlußpunkte“ musikalischer Entwicklungen. Sein Interesse gilt der Evolution, dem „Humus“ des regionalen, bodenständigen Musizierens, in dem die Kunstfertigkeit auch dieser größten Meister verwurzelt ist. Sein scharfes Urteil ist eingebettet in eine universale Bildung; nie betrachtet er die Musik isoliert, sondern reflektiert sie in ihrem geschichtlichen, theologisch-liturgischen und sprachlichen Kontext. Mit dem Detailbewußtsein des Wissenschaftlers löckt er wider den Stachel musikalischer Kleingeister, die seinem umfassenden Qualitätsanspruch nicht gerecht werden. Die Erkenntnis, daß „der Pfennig nichts gilt, wo er geschlagen wird“, und die geistige und materielle Unabhängigkeit seines (Un-)Ruhestandes lassen ihn auch Widerspruch gelassen ertragen.
Auf die Frage nach Zukunftsplänen lächelt Konrad Ruhland verschmitzt: „Weiterarbeiten wie bisher, solange es die Gesundheit erlaubt“ ist seine kurze Antwort. Man glaubt es gerne, denn er führt nicht ein Leben mit Musik, sein Leben ist vielmehr die Musik. Wer könnte da schon einfach aufhören?

Montag, 15. März 2010

"Wann hört das endlich auf?"

Foto: (c) Bistum Regensburg

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller besuchte heute das Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen zum Gespräch mit der Leitung und allen Schülern des Hauses. Aus einer PRESSEMITTEILUNG des Bistums Regensburg:
"Schnell wurde deutlich, was die Jungen, die den Bischof mit tosendem Beifall empfingen, diese Tage beschäftigt: „Was hat das alles mit uns zu tun? Wir können nicht mal mehr Besorgungen in der Stadt machen, ohne von Journalisten belästigt zu werden. Manche Menschen beleidigen uns sogar! Wann hört das endlich auf?“, klagten die Jugendlichen.
Bischof Gerhard Ludwig fand klare Worte und ermutigte die Schüler: „Ich habe vollstes Vertrauen zu unseren Domspatzen und allen Erziehern, Lehrern und Bediensteten dieses Hauses. Was in vergangenen Jahrzehnten durch einzelne begangen wurde, wird lückenlos aufgeklärt. Diese Einzelfälle spiegeln auch nicht die Realität der großen Domspatzentradition wider. Ich weiß, was Ihr hier alle tagtäglich im Schulbereich, den Chorproben und auf den vielen Konzerten großartiges leistet. Lasst Euch nicht entzweien“."
Dem Regensburger Bischof ist es hoch anzurechnen, daß er auf diese Weise seine Solidarität mit den unschuldigen Leidtragenden der jüngsten Pressekampagnen demonstriert: den heutigen Schülern der Domspatzen, die man durchaus als "Mißbrauchsopfer" eines mehr an Schlagzeilen als an Tatsachen interessierten Journalismus betrachten darf.

Zu wünschen wäre freilich, daß diese Solidarität  auch den ehemaligen Domkapellmeister Georg Ratzinger einschließt, für den bisher weder "Offizielle" des Bistums oder der Domspatzen öffentlich und vernehmbar Partei ergriffen haben, noch seine ehemaligen Sänger. So muß dieses peinliche Schweigen nach außen zwangsläufig den Eindruck erwecken, als seien die kolportierten Vorwürfe gegen ihn irgendwie schon berechtigt. Hat Georg Ratzinger das verdient, daß er auf seine alten Tage mit jedem Dreck beworfen werden darf, der irgendwo in der Gosse herumliegt? Daß man ihm nach dem "Hosanna" für den "Papstbruder" (der er nie sein wollte!) nun unwidersprochen das "Crucifige" für den unmenschlichen Tyrannen (der er nie war!) nachschreien darf? Herr Bischof, bitte finden Sie auch dazu bald klare Worte!

Sonntag, 14. März 2010

Hugo Wolf zum 150. Geburtstag

Mit einem Tag Verspätung sei an den 150. Geburtstag eines Komponisten erinnert, dessen Biographie man wohl am ehesten mit dem Schlagwort "verkrachte Existenz" umschreiben kann: Hugo Wolf, geboren am 13. März 1860 in Windischgrätz im heutigen Slowenien. Einen gelungenen BEITRAG ZU DIESEM JUBILÄUM hat der Berliner Tagesspiegel in seiner gestrigen Ausgabe veröffentlicht.

Als Geburtstagsständchen hier eines der herrlichen Lieder von Hugo Wolf (verbunden mit der Hoffnung, daß sich dessen verheißungsvoller Text auch hierzulande endlich erfüllen möge) - wunderbar interpretiert von einem ehemaligen Domspatzenkollegen, dem Tenor Werner Güra.

Donnerstag, 11. März 2010

TV-Tip für heute

Heute nacht von 23.30 - 24.00 Uhr im Bayerischen Fernsehen:

"NACHTLINIE: Unterwegs mit dem BR-Chor"

Zu Gast sind der künstlerische Leiter Peter Dijkstra und einige Mitglieder des BR-Chors.

Dienstag, 9. März 2010

Noch einmal Domspatzen


Durch die heutigen Tageszeitungen geistern Auszüge aus einem Interview mit Domkapellmeister emeritus Georg Ratzinger, die teilweise nicht ganz den Tenor seiner tatsächlichen Aussagen treffen. Das VOLLSTÄNDIGE INTERVIEW ist in der PASSAUER NEUEN PRESSE erschienen und wurde geführt von PNP-Redakteur Karl Birkenseer, der selbst ehemaliger Domspatz und Vorstandsmitglied im Verein "Freunde des Regensburger Domchors" e.V. ist.

Dazu möchte ich aus eigener Erfahrung noch kurz folgendes anmerken:

Unter Domkapellmeister Ratzinger ging es streng zu, manchmal auch sehr streng - und zwar dort, wo seine Zuständigkeit lag: in den Chören der Domspatzen, vor allem im von ihm persönlich geleiteten "1. Chor". Ich kann mich noch gut an unsere erste Männerchorprobe nach dem Aufrücken aus dem 2. in den 1. Chor (Januar 1984) erinnern, die Domkapellmeister Ratzinger mit einer "Feldherrnrede" eröffnete. Unvergessen ist mir dabei sein Satz: "Für einen Chor, der ein Spitzenniveau haben und halten will, gibt es nur eine denkbare Regierungsform: Die uneingeschränkte Diktatur des Chorleiters." Die Autorität des "Cheefs" in musikalischen Belangen war für uns unantastbar, jeder ordnete sich seinen Wünschen unter. Und zumindest in meiner eigenen Zeit habe ich es niemals erlebt, daß er seine Autorität mit zweifelhaften Mitteln hätte aufrechterhalten müssen.
Allerdings hatten einige wenige Mitschüler ihre liebe Not mit ihm, das sei auch nicht verschwiegen: zumeist solche, die nicht die aus seiner Sicht unabdingbare Disziplin für den Chor mitbrachten. Aus diesem Grund versandete manche Sängerkarriere in den Niederungen der Nachwuchschöre oder mußten eigentlich gute Sänger von Konzertreisen daheimbleiben, weil ihre auch charakterliche Zuverlässigkeit aus Sicht des "Cheefs" nicht zweifelsfrei feststand. Sich mit seinen Sängern bei den Konzerten oder in den Gastfamilien zu blamieren, weil es an Anstand und Benehmen fehlte - dem wollte sich Georg Ratzinger ungern aussetzen.

Doch daneben gab es auch noch den ganz anderen "Cheef", nämlich den außerhalb des Probensaales oder der musikalischen Verpflichtungen. Und diesen "Cheef" haben wir (wenigstens die meisten von uns) tatsächlich geliebt fast wie einen Opa. Wenn allnachmittags vor den Proben die Türe seines Appartements aufging zur "Raubtierfütterung" (O-Ton Ratzinger), dann drängten sich Scharen der kleinen Sänger aller Chöre um ihn, um ein Bonbon oder einen Keks zu ergattern, die er stets vorrätig hatte und großzügig verteilte. Wenn man ihn auf dem Gang des "Kaffs" traf, legte er zwar stets Wert auf eine anständige Begrüßung (bubenhafte Frechheiten wie ein "Servus Cheef" überhörte er manchmal geflissentlich),  war aber von einer ungekünstelten Freundlichkeit und hatte für jedes Anliegen ein offenes Ohr, das ihm entgegengebracht wurde - genauso wie auch heute noch. Und selbst dann, wenn er von Sängern, sei es Knaben- oder Männerstimmen, während oder nach den Proben auf musikalische Probleme angesprochen wurde, war er trotz aller beanspruchten Richtlinienkompetenz bereit, auf konstruktive Vorschläge einzugehen.
Hätte es diese andere Seite des Domkapellmeisters nicht gegeben, dann hätte er mit seinen Domspatzen niemals den Ruf eines "der besten Chöre der Welt" (Zitat Papst Paul VI.) erlangt. Denn der musikalische Drill war eines, unsere Liebe zum "Cheef" das andere und letzlich wichtigere. Ohne die wechselseitige herzliche Zuneigung zwischen uns Sängern und unserem Domkapellmeister wären die großartigen Erlebnisse dieser Jahre nicht möglich gewesen. Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewußt, daß wir einen der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.
Ich persönlich hatte darüber hinaus noch seit früher Kindheit das Glück, Domkapellmeister Ratzinger auch außerhalb seiner Amtsfunktion, sozusagen privat zu erleben: wenn er bei uns zuhause (einmal zusammen mit Prof. Ferdinand Haberl) am Eßtisch saß und sich die Zwetschgenknödel meines Vaters schmecken ließ, oder wenn wir ihn im Sommerurlaub in Brixen trafen und ungeniert mit ihm reden konnten. Humorvoll und geistreich erzählte er Anekdoten aus seinem Leben, und stets klang dabei die tiefe Liebe zur Musik und zu "seinen" Domspatzen durch, die sein Leben prägte - auch wenn er einmal bekannte, ein Jahr als Leiter eines solchen Knabenchores zähle von der körperlichen und geistigen Beanspruchung her mindestens wie drei normale Lebensjahre.

Warum erzähle ich das alles? - Weil ich damit dem Eindruck entgegentreten möchte, der in den jüngsten Medienberichten gelegentlich durchscheint: dem Eindruck, als seien bei den Domspatzen unter der Ära von Domkapellmeister Ratzinger Prügel, "Mißbrauch" oder Vertuschung völlig normal gewesen, und Georg Ratzinger drücke sich womöglich vor seiner Verantwortung. Ich persönlich kann nur noch einmal betonen: Meine Zeit bei den Domspatzen war gekennzeichnet von Strenge und Disziplin im Chorbereich und gleichzeitig großer Menschlichkeit und Warmherzigkeit des Domkapellmeisters. Für das eine haben wir ihn geachtet, für das andere aber geliebt - und die allermeisten seiner ehemaligen Schüler achten und lieben ihn dafür auch heute noch.
Mit einer Mischung aus Trauer, Wut und Scham beobachte ich daher, wie Außenstehende sich anmaßen, über Domkapellmeister Ratzinger Verdächtigungen und Anschuldigungen auszustreuen, die offensichtlich jeder Grundlage entbehren - und die jedem absurd erscheinen müssen, der Georg Ratzinger auch nur ein bißchen näher kennenlernen durfte. Ich glaube ihm jedenfalls jedes Wort, das er in diesen Tagen über sich und die Domspatzen sagt - weil es damit übereinstimmt, wie ich ihn und die Domspatzen seit nunmehr 33 Jahren aus nächster Nähe kennengelernt habe.

Samstag, 6. März 2010

Annus horribilis

Das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr der Priester" entwickelt sich für die katholische Kirche in Deutschland immer mehr zu einem "annus horribilis", zu einem Jahr der Schrecken. Nicht die Würde und Schönheit des Priesterberufes steht im Focus der öffentlichen Wahrnehmung, sondern täglich neue Beispiele aus der jüngeren und vor allem älteren Vergangenheit, daß auch ein Priester nicht per se vor dem Bösen gefeit ist. Und es ist wohl keine Unterstellung, wenn man bei der Mehrzahl von Medienberichten über diese Vorgänge andere Motive vermutet als nur den Wunsch nach seriöser Information.

Mit den "Regensburger Domspatzen" hat der Tsunami von Mißbrauchsvorwürfen nun auch die Kirchenmusikszene erreicht, und es werden sicher nicht die letzten Wellen sein, die an die kirchlichen Ufer branden. Noch liegen scheinbar die Details der Vorgänge im Dunkeln, die sich in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ereignet haben. Nach den Angaben, die auf der WEBSITE DES BISTUMS REGENSBURG veröffentlicht sind, handelt es sich ausschließlich um Geschehnisse in der Ära von Domkapellmeister Theobald Schrems, der auf den ersten Fall im Jahr 1958 offenbar umgehend mit der Entfernung des betreffenden Priesters reagierte.
Der zweite Fall betrifft den Priester Georg Zimmermann (1916-1984), der im Jahr 1959 für acht Monate die Internatsleitung bei den Domspatzen innehatte und nach einem Musikstudium (1959-1964) von 1964 bis 1969 als erster DIÖZESANMUSIKDIREKTOR DES BISTUMS REGENSBURG tätig war. Obwohl er nach den jüngsten Angaben des Bistums im Jahr 1971 wegen Übergriffshandlungen zu 11 Monaten Haft verurteilt worden war, erfreute er sich in seinem Heimat- und Ruhestandsort Eslarn offenkundig GRÖSSTER BELIEBTHEIT.

Welchen Sinn hat es, diese Ereignisse heute wieder aufzugreifen? Nun, vielleicht diesen: den (teilweise noch nicht einmal bekannten) Opfern eine Möglichkeit zu bieten, aus der Anonymität ihrer Seelenqualen herauszutreten, und ihnen wenn auch spät eine moralische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die über die damalige strafrechtliche Verfolgung der Vorfälle hinausgeht.
Was mich als ehemaligen Regensburger Domspatzen der Absolvia 1986 jedoch weniger betroffen als vielmehr wütend macht, sind die ziemlich durchsichtigen Versuche, durch derartige "Enthüllungen" zunächst den ehemaligen Domkapellmeister Georg Ratzinger und dadurch mittelbar auch seinen Bruder, Papst Benedikt XVI., in den Geruch einer "Mitwisserschaft" zu bringen. Allein durch die oben dargelegten Zeitabläufe besteht für mich persönlich kein Anlaß, an der Glaubwürdigkeit von Domkapellmeister Ratzinger zu zweifeln, wenn er jede Kenntnis von Mißbrauchsfällen zu seiner Amtszeit (1964-1994) bestreitet. Im Gegenteil: ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, daß es besonders unser "Cheef" war, der - aus damals wie heute berechtigter Vorsicht - im chorischen Bereich auf einer weitgehenden Trennung von Knaben- und Männerstimmen bestand, um keinen Anlaß zu "verfänglichen" Situationen zu bieten. Knaben- und Männerstimmen waren auf Konzertreisen in der Regel nie zusammen in einer Gastfamilie untergebracht; sogar im "Kaffbomber", dem institutseigenen Omnibus, waren sie durch eine Glastüre räumlich voneinander getrennt. Und selbst scherzhaftes "Anbandeln" zwischen den Sängergenerationen wurde stets mit einem energischen "Männer, gehts von de Knaben weg!" unterbunden.
Auch was Schule und Internat in Regensburg angeht, sind mir aus meiner eigenen Zeit nicht die leisesten Anhaltspunkte in Erinnerung, daß es hier zu aus heutiger Sicht ungehörigen Übergriffen irgendwelcher Art gekommen sein könnte. Als externer Schüler hatte ich zwar keinen unmittelbaren Einblick, was während der Studierzeiten und im Internat alles ablief, doch spätestens in der Oberstufe war der Kontakt mit den Internatsschülern so eng, daß entsprechende Andeutungen unweigerlich auch uns Stadtschülern zu Ohren gekommen wären.

Im Zusammenhang mit dem oben erwähnten "Jahr der Priester" drängen sich mir bei all diesen Umständen immer wieder Fragen auf: Ist es vielleicht gar kein "Zufall", daß diese Geschehnisse, die so lange vor sich hin geschlummert haben, ausgerechnet heute (wieder) ans Tageslicht kommen? Dient dies vielleicht im göttlichen Heilsplan einer notwendigen "Katharsis", einer gründlichen und auch in die Vergangenheit zurückreichenden "Reinigung" des Priesterstandes, um so das wahre Profil des Priesters wieder deutlicher hervortreten zu lassen? Mußte dies vielleicht erst unter dem Pontifikat dieses Papstes geschehen, der schon bei entsprechenden Vorgängen in den USA und in Irland bewiesen hat, daß er das Übel an der Wurzel packen will?
Nicht zuletzt kommt mir in den letzten Tagen immer wieder ein Wort des Herrn in den Sinn, das womöglich einen Schlüssel zum Verständnis all des Ungemachs bietet, das derzeit über die katholische Kirche und ihre Priester hereinbricht - und zugleich die Hoffnung nährt, daß auch daraus letztlich Gutes für die Kirche erwachsen wird:
"Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder." (Lk 22, 31f)

Donnerstag, 4. März 2010

Wüste(n-) Jahre

Allen Lesern möchte ich aufs wärmste einen Beitrag von Mag. Michael Gurtner zur Lektüre empfehlen, der gestern auf der Website von KATHNEWS publiziert wurde: ZUR NOTWENDIGKEIT DER ÄSTHETIK FÜR DEN GLAUBEN. Er befaßt sich darin sehr kompetent mit dem unabdingbaren Postulat von "Schönheit" für jedwede kirchliche - und auch kirchenmusikalische! - Kunst. Mit Blick auf den unbestreitbaren katholischen Ikonoklasmus nach dem II. Vatikanischen Konzil spricht er von "Wüstenjahren" und bemerkt treffend:
"Man zog viele Formen des frommen Volksbrauchtums ins Lächerliche, vieles von dem, was dem Glauben eine warme innerliche Heimat gab wurde von Glaubenstheoretikern niedergemacht, kirchliche Kleiderordnungen und Paramententraditionen wurden als unnütz hingestellt und sogar verspottet und in den Kirchen setzte man die Spitzhacke an und warf Altäre und Gemälde hinaus, während man Mozart und Palestrina in den Mistkübeln stapelte und sich zu seichten Neukompositionen zu fragwürdigen Texten setzte, welche nach kaum zwanzig Jahren schon so alt sind wie sie kein Mönchschoral je gewesen ist, und auch die kirchliche Sprache wurde entgegen jeder Behauptung nicht entstaubt, sondern verkrüppelt."
Auch wenn es in einzelnen kleinen Oasen den Anschein hat, als sei diese Geisteshaltung allmählich dank einer biologischen Lösung im Schwinden begriffen, so lehrt doch der Blick in unsere Pfarreien und Diözesen, daß sich im wesentlichen noch nichts geändert hat. "Schönheit" im Sinne des Artikels von Herrn Gurtner hat dort allenfalls eine museale Berechtigung. Von einer "katholischen Ästhetik" zu reden, fällt angesichts der alltäglichen Geschmacklosigkeiten in Liturgie, Kirchenmusik oder Kirchenarchitektur schwer - es sei denn, man kann sich mit der Definition anfreunden, "katholische" Ästhetik dürfe alles sein, nur nicht "schön".

Dienstag, 2. März 2010

Rücktritt abgelehnt


Wie das Bistum Passau auf seiner Homepage HEUTE BEKANNTGIBT, hat Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch unseres Diözesanbischofs Wilhelm Schraml abgelehnt und ihn gebeten, vorerst weiter im Amt zu bleiben. Schraml, der seit 2001 als 84. Bischof von Passau amtiert und am 26. Juni 2010 das 75. Lebensjahr vollendet, hatte das vom Kirchenrecht vorgesehene Angebot auf Amtsverzicht bereits im vergangenen Jahr eingereicht.

Montag, 1. März 2010

Diabolus in opera

Georg Nigl als Lucifer (Foto: © Bayerische Staatsoper)
"Was macht der Teufel, wenn in der Kirche von ihm nicht mehr die Rede ist? Er geht in die Oper! (...)"
Ein lesenswerter Beitrag von Karsten Huhn über die Inszenierung der Oper "Die Tragödie des Teufels" von Peter Eötvös nach dem Drama "Die Tragödie des Menschen" von Imre Madách (Libretto: Albert Ostermaier) an der Bayerischen Staatsoper München ist HIER zu lesen. Daraus:
"Was, schon ist das Stück zu Ende? An diesem Abend hat sich die Zeit beschleunigt. Zwar ist „Die Tragödie des Teufels“ ein Stück ohne Erlösung. Doch hat diese Oper alles, was ein großes Stück braucht: Handlung, Spannung, überraschende Wendungen und Humor. Alle großen Fragen werden hier verhandelt: Wie kommt das Böse in die Welt? Wie kann man angesichts des Leides in der Welt noch an Gott glauben? Vor allem: Hier wird Sünde gezeigt als das, was sie ist: nicht bloß als Sahnetorte oder als überfahrene rote Ampel, sondern als teuflisches Werk, als Verhängnis, das von Menschenhand nicht wieder aus der Welt zu kriegen ist."

Die Rezension der Uraufführung vom 23. Februar in der Süddeutschen Zeitung finden Sie HIER.

Link: http://www.bayerische.staatsoper.de