Dienstag, 23. Februar 2010

"Ich hab genug ..."

Wie der liebe Kollege von den CAECILIA-NOTIZEN meldet, will sich die 84jährige Organistin Marie Claire-Alain aus dem Konzertbetrieb verabschieden - in diesem Fall kann man sicher ohne Übertreibung davon sprechen, daß eine Ära zu Ende geht. Näheres dazu in seinem ARTIKEL, dessen guten Wünschen ich mich gerne und von Herzen anschließe.

Bene dixisti ...

"Aus der Krise, die sich im statistisch feststellbaren Rückgang des kirchlichen Lebens in Westeuropa dokumentiert, gibt es keinen Ausweg, wenn die Kirche sich zu einer innerweltlichen Organisation für ein weiteres religiöses 'Wellness-Angebot' selbst degradiert."
Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg

Montag, 22. Februar 2010

"Hut ab, Ihr Herren ..."

"... ein Genie!" schrieb Robert Schumann 1831 als Musikkritiker der Leipziger "Allgemeinen Musikalischen Zeitung" über einen jungen Komponisten- und Pianistenkollegen.
Ob es tatsächlich der 22. Februar 1810 war, an dem Frédéric François Chopin im polnischen Żelazowa Wola das Licht der Welt erblickte, ist umstritten. Als Genealoge neige ich dazu, den Angaben der auch von seinem Vater unterschriebenen Geburtsurkunde mehr Glauben zu schenken als Chopins eigenen, späteren Aussagen, die das Ereignis auf den 1. März datieren.

Zum Gedenken an den 200. Geburtstag des bereits am 17. Oktober 1849 verstorbenen Klavierrevolutionärs hier eine ungewöhnliche Fassung seiner berühmten "Revolutionsetüde" c-moll op. 10 Nr. 12. Ob Chopin  sich hätte vorstellen können, daß man seine pianistische Virtuosität selbst auf der Orgel noch toppen kann, wenn man Cameron Carpenter ist?



Link: ARTIKEL "CHOPIN" BEI WIKIPEDIA

Samstag, 20. Februar 2010

In memoriam ... Prof. Rudolf Schindler


Prof. Rudolf Schindler
Geboren am 18. März 1923 in Regensburg
Verstorben am 14. Februar 2010 in Regensburg

Ein Bekannter, der mich vor wenigen Tagen besuchte und Schüler des Verstorbenen war, erzählte von ihm als "dem Chef" mit größter Hochachtung, obwohl er als Chorleiter in seinen Frühzeiten von einer fast beängstigenden Strenge gewesen sein soll (die soweit ging, daß er bei Probenwochenenden persönlich kontrollierte, ob auch tatsächlich um 23 Uhr das Licht aus war - wohlgemerkt bei erwachsenen Chorsängern!).
Ich selbst bin Rudolf Schindler desöfteren begegnet, wenn er mit seinem Streichquartett den Kirchenchor meines Vaters bei Orchestermessen begleitete, und habe ihn als einen sehr liebenswürdigen, feinsinnigen Musiker von höchstem beruflichen Ethos kennengelernt. In Erinnerung sind mir auch noch Konzerte, die er mit seinem "Regensburger Chorkreis" veranstaltete, und die nicht nur durch außerordentliche sängerische Qualität beeindruckten, sondern vor allem durch die Repertoireauswahl. So gab und gibt es in Regensburg sicherlich keinen Chor, der so oft und so hervorragend die Werke von Hugo Distler zur Aufführung brachte.
Mit Rudolf Schindler hat Regensburg eine seiner bemerkenswertesten Musikerpersönlichkeiten verloren. R. I. P.

Das Requiem für Prof. Rudolf Schindler findet in Regensburg am kommenden Donnerstag, den 25. Februar, um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Bonifaz statt, die Beisetzung um 12 Uhr im Unteren katholischen Friedhof.

Link: Nachruf auf http://www.mittelbayerische.de/

Donnerstag, 11. Februar 2010

Eine verlorene Schlacht

Gerne verweise ich auf einen Beitrag von Jeffrey Tucker auf dem Blog NEW LITURGICAL MOVEMENT: THE STRUGGLE FOR SACRED MUSIC: SOME POSTCONCILAR FORGOTTEN HISTORY.
Er befaßt sich mit dem "Kampf" der "Consociatio Internationalis Musicae Sacrae" (CIMS) für die Erneuerung der Kirchenmusik im Sinne des II. Vatikanischen Konzils und verweist dazu auf eine Sammlung von Beiträgen, die als PDF-Datei online verfügbar sind:
"Was Sie hier finden, ist ein Kosmos von katholischen Musikern und Theologen, die sich hinter den musikalisch-liturgischen Zielen des II. Vatikanischen Konzils vereinten. Alle waren sie große Musiker der vorkonziliaren Periode, die Meister der Zunft, und sie sahen im II. Vaticanum die größte Chance für die Kirchenmusik, die den Musikern jemals geschenkt wurde, denn nie zuvor hatte sich ein kirchliches Konzil so eindeutig geäußert. Es gab einen Anstoß, die umgangssprachlichen Lieder durch den lateinischen Gesang zu ersetzen, eine Anstrengung, den Gemeinden das Singen beizubringen, einen Antrieb für neue Kompositionen in der polyphonen Tradition und Interesse an neuen Formen volkssprachlicher Proprien, so daß Gläubige und Scholen lieber die Messe singen würden als nur Musik bei der Messe zu singen.
Das Interessante an diesem Buch ist, daß es die Existenz des wahren Geistes des II. Vaticanums dokumentiert - egal, was sie bisher vielleicht anderes gehört haben. (...) Es macht traurig, dies zu lesen, aber es ist gut, hier die Geschichte zu kennen."
(Eigene Übersetzung)
Leider muß man mit Blick auf die heutige Situation der Kirchenmusik in unseren Bistümern konstatieren, daß der leidenschaftliche Eifer der CIMS und ihrer Mitstreiter völlig wirkungslos geblieben ist. Man kann sich kaum eine größere Diskrepanz vorstellen als diejenige zwischen der kirchenmusikalischen Praxis in unseren Pfarreien und den Äußerungen der Konzilsväter. Und wie es scheint, beabsichtigen die Bischöfe des deutschen Sprachraumes bei der überfälligen Publikation des deutschsprachigen Missale Romanum (Editio III) und des neuen "Gotteslob" erneut, den gegenwärtigen, eindeutig gegen das II. Vaticanum gerichteten Saustall als lokalkirchliche Norm zu zementieren.
Die "uneingeschränkte Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils" durch die Deutsche Bischofskonferenz in liturgischen Fragen - dies ist, sollte man meinen, die selbstverständlichste Erwartung, die ein Katholik hegen kann - und doch die irrealste, die man sich vorstellen kann.

Freitag, 5. Februar 2010

Fuga mirum spargens sonum

Was wäre passiert, wenn Johann Sebastian Bach schon ein Handy gehabt hätte? Vielleicht dies:


Eine nette und ganz ordentlich ausgeführte Idee von Herrn Vincent Lo - leider liefert er keine Auflösung mit, wie man nach dem Spielen der Fuge die Knoten aus den Fingern wieder herausbekommt. Erläuterungen zum Stück (in englischer Sprache) und die Noten zum kostenlosen Download finden Sie unter dem Link:

Donnerstag, 4. Februar 2010

Always look on the bright side ... ?

Immer wieder passiert es mir, daß ich einen Artikel zu irgendeinem Thema lese - und plötzlich denke: Genau das trifft auf die Situation der katholischen Kirche zu, wie sie sich in unseren Landen darstellt. So auch heute, als ich zufällig in der Onlineausgabe des Züricher Tagesanzeigers auf den Beitrag DER WAHN DES POSITIVEN DENKENS stieß. Der handelt zugegebenermaßen von einem ganz unkirchlichen Thema: Von Verhältnissen in Amerika, von einer Journalistin und promovierten Biologin, die an Krebs erkrankt - und sich dagegen wehrt, ihre Krankheit unter dem verbreiteten "Zwang zum positiven Denken" als "Chance" zu sehen.
Und dann liest man dort Sätze wie die folgenden:
"Hier ging es nicht darum, tapfer zu sein, und schon gar nicht um eine gesunde Portion Optimismus, sondern um den Glauben, kraft positiven Denkens dem Krebs [dem kirchlichen Niedergang?] den Garaus machen zu können. Um eine Haltung, die zu einem kollektiven Wahn geworden war und die da lautet: Alles ist möglich, man muss nur fest genug wollen. Man muss nur genug positiv sein. (...) Immer nur das Positive sehen, selbst dann, wenn das Glas nicht nur leer ist, sondern längst zerbrochen am Boden liegt.
Barbara Ehrenreich fragt: Wie soll der blosse Vorgang des positiven Denkens eine bestimmte Tatsache verändern können? Da habe sich ein Land [die Kirche?] ein Mantra zusammengeschustert, das dem Aberglauben gefährlich nahekomme.
Und sie sagt: Dieses Land [diese Kirche?] muss wieder begreifen, dass das Gegenteil des positiven Denkens nicht Pessimismus ist. Sondern die Fähigkeit, Situationen realistisch einzuschätzen und kritisch zu hinterfragen. Dies ist aber mittlerweile derart verpönt, dass allein 'negativ sein' ein Kündigungsgrund [ein 'Exkommunikations'grund?] sein kann. Wobei dieses 'negativ sein' schlicht darin bestehen kann, zu viele Fragen zu stellen und damit unangenehm zu sein. (...)
Wer kritisch nachfragte, gewisse Handlungen hinterfragte, am Erfolg zweifelte, Risiken als zu hoch einschätzte, der hatte 'a negative attitude'. Und das mochte man gar nicht, die Leute wurden entlassen oder mundtot gemacht. (...)
Wenn positives Denken zur Folge hat, dass Unangenehmes nicht mehr thematisiert werden darf, weil damit die kollektive Harmonie gestört wird, dann ist das nicht positiv und nicht gut. Es führt dazu, dass die Realität ausgeblendet wird, dass man sich eine eigene, harmlose Welt zusammenzimmert. Probleme werden so keine gelöst."
Verbreitet nicht gerade hierzulande die katholische Kirche eben dieses wohlfeile Lebensmotto des Brian "always look on the bright side" - in den Predigten der Bischöfe und Priester, in den Statements der bischöflichen Pressestellen, kirchlichen Bediensteten und Berufslaien, um sich unter dem Deckmantel eines angeblichen christlichen Optimismus der unangenehmen Aufgabe zu entziehen, den zum Himmel schreienden Mißständen etwa in Verkündigung, Liturgie oder auch Kirchenmusik endlich einen Riegel vorzuschieben? Werden nicht auch innerkirchlich diejenigen mit "a negative attitude" gebrandmarkt und mundtot gemacht, die die kollektive Harmonie stören, die den "Zwang zum positiven Denken" als das entlarven, was er ist: als Wahn, als zerstörerischen Selbstbetrug?
Die oben zitierte Wissenschaftlerin kommt aufgrund zahlreicher Studien übrigens zu dem Schluß, daß "... noch nie ein günstiger Effekt des positiven Denkens auf eine Krankheit wie Krebs nachzuweisen war." Auch die Kirche wird sich nicht "gesundbeten" können - und doch verweigert sie sich noch immer in weitesten Bereichen den von Papst Benedikt XVI. angestoßenen Heilungsmaßnahmen, die dieser bislang ohnehin nur in "homöopathischen Dosen" verordnet, obwohl über kurz oder lang nur noch einschneidende Operationen Hilfe bringen können.

Dienstag, 2. Februar 2010

Die kleinen Freuden ...

Als Musikkritiker passiert es einem nicht gerade häufig, daß man Rückmeldungen zu seinen Rezensionen erhält. Hat man die Künstler gelobt, sind alle zufrieden und sehen keinen Grund für ein Nachhaken; hat man tatsächlich kritisiert, bekommt man den daraus womöglich resultierenden Ärger nur in krassen Fällen zu hören.
Umso mehr freut man sich dann über positive Nachklänge wie denjenigen in der heutigen Süddeutschen Zeitung (siehe Link unten), auf den ich freundlicherweise aufmerksam gemacht wurde. Im Dezember 2008 hatte ich in einer Konzertkritik für die Deggendorfer Zeitung geschrieben:
"... ließ der erst 18-jährige Altus Fritz Spengler in der Arie 'Schließe, mein Herze' aus Bachs Weihnachtsoratorium mit einer bemerkenswert tragfähigen und gerade in den Höhen bestens disponierten Stimme aufhorchen, die ihn für eine Karriere im professionellen Sängergeschäft geradezu prädestiniert."
Dieser Meinung waren offenbar nicht alle seiner früheren Lehrer, die ihm allenfalls eine Laufbahn als Schallplattenverkäufer zutrauten. Daß der junge Mann im vergangenen Oktober als bester von 160 Bewerbern einen der nur 12 Studienplätze am Salzburger Mozarteum ergattern und damit das Urteil eines Musikkritikers bestätigen konnte, gehört zu den kleinen und seltenen Freuden unserer allgemein nicht eben gut beleumundeten Zunft. Ich wünsche Fritz Spengler, daß er seine bemerkenswerte Begabung mit guten Lehrern weiterentwickeln und im Laufe der Jahre neben der sängerischen auch die charakterliche Reife gewinnen möge, die für einen dauerhaften Erfolg im professionellen Musikbusiness unerläßlich ist.

Morgen abend um 18 Uhr ist Fritz Spengler im Kleinen Konzertsaal des Münchner Gasteigs live zu hören (nähere Informationen HIER). Audiostreams finden Sie auf seiner Homepage.

Links: "Geh aus mein Herz und suche Freud"; http://www.fritz-spengler.com/