Dienstag, 5. Januar 2010

Nachtrag zur Cappella Sistina

Am gestrigen 4. Januar hat Papst Benedikt XVI. die Sänger der "Cappella Sistina" und ihren Leiter Giuseppe Liberto in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes in Privataudienz empfangen, wie die Website der ASSOCIAZIONE ITALIANA ORGANISTI DI CHIESA, der Italienischen Vereinigung der Kirchenorganisten, EXCLUSIV BERICHTET (nicht einmal der Päpstliche Pressesaal fand diesen "Neujahrsempfang" eines Bulletins würdig).

Zusammen mit dem Organisten Gianluca Libertucci trugen sie dem Heiligen Vater einige weihnachtliche Gesänge von Victoria, Palestrina und Liberto vor. Eigens erwähnt wird, daß neben Papst Benedikt nur dessen Bruder Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger, der Präfekt des Päpstlichen Hauses Erzbischof James Michael Harvey, sowie die beiden päpstlichen Privatsekretäre Georg Gänswein und Alfred Xuereb der musikalischen Aufführung beiwohnten. Georg Gänswein stattete am heutigen 5. Januar dem Chor einen Gegenbesuch in dessen römischem Probensitz am Largo di Torre Argentina ab.

Eigentlich wäre diese Notiz kaum der Kenntnisnahme wert, doch angesichts der jüngsten Meldungen bekommt diese alljährliche Höflichkeitsgeste des Chores fast schon den Charakter eines Abschiedsbesuches für den Chorleiter.

Inzwischen finden sich Stimmen (so in den KOMMENTAREN zum entsprechenden Blog-Eintrag von Andrea Tornielli), welche die mögliche Berufung Palombellas und die negativen Äußerungen von Sandro Magister in größere Zusammenhänge einordnen. Wie erwähnt, ist Massimo Palombella (Jahrgang 1967) Priester des Salesianerordens und gilt als "Schützling" des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone, der ebenfalls diesem Orden angehört (was allein schon manchen Kreisen ein Dorn im Auge ist) und als absoluter Vertrauensmann des Papstes gilt (was die Sache - je nach Standpunkt - nicht unbedingt besser macht). Als sein früherer Sekretär ebenfalls ein "Bertone-Zögling" ist Guido Marini, der Päpstliche Zeremoniar. Es scheint, daß Papst Benedikt darauf bedacht ist, solche Männer als seine wichtigsten Mitarbeiter in liturgischen Belangen zu berufen, die ihm treu ergeben und gewillt sind, seine Reformen in die Tat umzusetzen.
Dies ist zweifellos ein Anlaß zu Optimismus und Grund genug, der tatsächlichen Ernennung Palombellas mit einigen Hoffnungen entgegenzusehen. Der Reformbedarf bei der "Sistina" ist für jeden unüberhörbar, der je einen Papstgottesdienst live oder im Fernsehen miterlebt hat. Allerdings ist dies kein Phänomen jüngeren Datums, sondern bereits Jahrzehnte alt. Die andernorts schon als "Apostolische Nebelkrähen" titulierten "Buben haben unter Bartolucci geschrien, und sie schreien auch unter Liberto noch" schreibt ein Leserkommentar des oben erwähnten Blogs von Tornielli. Hier ist chorische Kärrnerarbeit zu leisten - vielleicht ist ein junger Salesianer genau der Richtige für dieses Apostolat, das im Multimedia-Zeitalter wahrlich der ganzen Weltkirche zugute käme.

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