Dienstag, 5. Januar 2010

Ein Requiem für die Cappella Sistina?

Seit gestern geistert eine Meldung durch die internationalen Blogs (u.a. ANDREA TORNIELLINEW LITURGICAL MOVEMENT, KATHNEWS, CAECILIA-NOTIZEN), von der man - so sie sich denn bewahrheiten sollte - noch nicht sagen kann, was man von ihr halten soll: Die Cappella Musicale Pontificia, besser bekannt als "Cappella Sistina", soll in Kürze einen neuen Chorleiter erhalten.

Ausgangspunkt dieser Gerüchte ist, wie es scheint, Sandro Magister, der Vatikanist von L'espresso. Auf seinem BLOG berichtet er unter dem Titel "Un requiem per la Cappella Sistina" allerdings wenig Schmeichelhaftes über den Aspiranten Massimo Palombella, der dem bisherigen Chorleiter Giuseppe Liberto nachfolgen soll. Dessen Ablösung sei schon länger in der Luft gelegen und durch zwei Beiträge im L'Osservatore Romano signalisiert worden: zunächst durch einen "Nachruf" des vatikanischen Musikkritikers Marcello Filotei, der in einem Beitrag den einstigen päpstlichen Chorleiter Lorenzo Perosi auf eine Stufe mit Palestrina gehoben und es dann dem Leser überlassen habe, ob nun Perosi oder nicht doch Liberto jener besprochene "Gigant der Kirchenmusik des letzten Jahrhunderts" war; und zudem durch einen als Eigenbewerbung zu wertenden Artikel des Salesianerpriesters Palombella über "Die theologische Grammatik des Gregorianischen Gesanges".
Geradezu sarkastisch äußert sich Magister über die musikalischen Fähigkeiten Palombellas:
"Aber die Qualität seiner Aufführungen ruft Kritik hervor. Zu solfeggieren [Töne singen zu lassen] ist eines, einen Chor zu leiten etwas anderes. Die Vorpremiere, die er in Sankt Peter am vergangenen 17. Dezember gab, als er mit seinem Chor die Papstvesper für die Studenten der römischen Universitäten begleitete, war nicht gerade ermutigend."
Auch Papst Benedikt XVI. kommt nicht gut weg in Sandro Magisters Einschätzung:
"Trotzdem: Joseph Ratzinger ist ein grandioser Fachmann für Kirchenmusik. Gegen ihren Verfall hat er brennende Seiten geschrieben. Und ebenso über die Liturgie. Viele haben deshalb von ihm eine Entscheidung von höchster Stelle erwartet, hinsichtlich der Leitung des Chores, der die päpstlichen Zelebrationen begleitet als Modell für die ganze Welt.
So ist es nicht gekommen. Der großen Vision von Papst Benedikt hat diesmal nicht eine konsequente Entscheidung entsprochen."
Die Zukunft wird zeigen, ob Sandro Magisters Pessimismus nicht doch übertrieben ist. Nur nebenbei bemerkt: Es ist nicht anzunehmen, daß Papst Benedikt ausgerechnet vor dieser Entscheidung auf den weisen Rat seines Bruders Georg Ratzinger verzichtet hat, der als emeritierter Domkapellmeister der "Regensburger Domspatzen" eine Kapazität allererster Güte bezüglich Knabenchören ist und dessen Gehör und Sachverstand - anders als sein Augenlicht - noch immer messerscharf sind.

Ich werde die Angelegenheit im Auge behalten und hier weiter darüber berichten.

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