Montag, 4. Januar 2010

Die Melancholie der Affekte

Mit diesem Titel überschreibt die Vatikanzeitung L'OSSERVATORE ROMANO in ihrer vorgestrigen italienischen Tagesausgabe einen von zwei Beiträgen zum Geburtstag des italienischen Komponisten Giambattista Pergolesi, der heute vor genau 300 Jahren, am 4. Januar 1710, in Jesi nahe Ancona (Region Marken) das Licht der Welt erblickte.

Viel Zeit für ein umfangreiches Schaffen war ihm nicht beschieden, denn er starb bereits mit 26 Jahren an Tuberkulose. In den knapp sechs Jahren seines Wirkens jedoch wurde er zum echten "Superstar" der europäischen Musikgeschichte; oder, wie es Francesco  Degrada ausdrückte:
"Er war der vielleicht erste Musiker, der in kürzester Zeit allgemeinen Ruhm erlangte in jedem noch so verlassenen Winkel Europas und bei jedem Stand des Publikums" [QUELLE].
Der größte Teil seiner kirchenmusikalischen Kompositionen dürfte für die Bittgottesdienste entstanden sein, die ab 1732 alljährlich in Neapel am Silvestertag abgehalten wurden. Sein letztes Werk, das berühmte Stabat Mater, ist seit dem 18. Jahrhundert bis heute das bekannteste Opus von Pergolesi. Wie seine Opern und weltlichen Werke, so zeichnet sich auch seine Kirchenmusik durch die oben beschworene "Melancholie der Affekte" aus: als handle es sich um geistliche Opernlibretti, verband er kontrapunktische Satzweise in den Chören mit opernhafter Melodik in den Solopassagen, was seine Musik gerade in der kirchenmusikalischen Reformbewegung des 19./20. Jahrhunderts in argen Mißkredit brachte.
In unseren Tagen reüssierte Pergolesi gar noch als Filmkomponist: sein Salve Regina ging in den Soundtrack zum Film "Farinelli" ein, wie das folgende Video demonstriert. Es gibt gleichzeitig eine ungefähre Vorstellung davon, welches Klangbild dem Komponisten wohl vorschwebte, dessen Lebenszeit in die Hochblüte des Kastratengesanges fiel.



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